Dichtung | Erzählung | Chimären
Entschwebung. Gedichte. Wallstein Verlag, 2026 (Erscheint am: 18.02.26)
Die Goldwaage. Gedichte. Wallstein Verlag, 2024
Sprache und Meer. Matthes & Seitz Berlin / Rohstoff, 2023
Zeitschriften/ Anthologien:
Nirgendwelt. Gedichte. In: Aus einer geschützen Ecke heraus lässt du den Raum entstehen. Utopische Dichtung der Gegenwart. Gans Verlag, 2026 (Erscheinungsdatum: 12.03.26)
Hinausrichtung. Gedichte. In: die horen | Nr. 300, 2025
Königshof. In: Literatur und Kritik | Nr. 599/600, 2025
Fluch und Gabe u. Diospyros. In: Literatur und Kritik | Nr. 593/594, 2025
Schieferung. Gedichte. In: die horen | Nr. 297, 2025
Schlag und Strich. In: Signaturen Magazin | https://signaturen-magazin.de/nasima-sophia-razizadeh--schlag-und-strich.html
Skarabäen im Schnee. Kadenzen. In: Signum | 25. Jahrgang/ Heft 2, 2024
Käfer im Käfig: Exil, Enklave, Exoskelett. In: Das Narr | Nr. 41, 2024
Zeichensprache. Gedichte. In: Sinn und Form | Heft 2/2024, 2024
Freisetzung. Gedichte. In: die horen | Nr. 292, 2024
Trakls Taschenuhr. Gedichte. In: SALZ | Nr. 194, 2023
Gespür. In: Das Narr | Nr. 39, 2023
Flucht in den Flieder. In: mosaik freiVERS | https://www.mosaikzeitschrift.at/literatur/freivers-nasima-razizadeh/
Geheimzahl. In: mosaik | Nr. 39, 2023
Herbstlied. Gedichte. In: poet | Nr. 23, 2017
Paganinis Parfum. In: Edition Köndgen, 2006
Publikationen
Entschwebung
Wallstein Verlag
»Eine eigene Stimme, eine melancholisch-elegische, stockende und gleichzeitig weiterschweifende Zartheit.« – Felix Schiller
Scheinbar Unversöhnliches trifft in den Gedichten des zweiten Bandes von Nasima Sophia Razizadeh aufeinander, und in diesem Balanceakt wird ihnen das Hin- und Herschwingen, das Steigen und Sinken selbst zum Modus. Mal sprechen die Gedichte von der Amsel, mal von einem Fabelwesen, vom Kind, von einer anderen Frau, vom Vogelknochen – während sie selbst mal Festakt, mal Falltür, mal Fixpunkt sind.
Vielleicht sind es die Übergänge zwischen den sieben Kapiteln des Buches, die die Geschichte dieser Entschwebung erzählen, vor- und rückwärts. In der Mitte greifen die Frage, was der Urheberin das Gedicht sei, und dessen Antworten ineinander wie Hand in Hand – Verlockung und Unglück ist dieser Abschnitt überschrieben. Und so spricht das Ich der Gedichte bereits am Anfang mit Ikarus, den Verlockungen der Höhe nicht widerstehend könnend, auch wenn es hier das Unglück ahnt:
Die Flügel schmelzen,
verschwistern sich mit dem Fall,
die Höhe hasst mich, mich ängstigt die Höhe
und ich gehorche doch
dem Übermut in mir.
Ein Geschenk, das sich entzieht,
die Lichtspur, die verfolgte.
Eingewickelt
in Widersprüche,
ein paradoxer Schutz,
ein Kokon aus Worten,
so, hell vermummt,
halte ich die Lichtspur, zentripetal,
in den tiefen Schlaf des Anfänglichen.
Die Goldwaage
Wallstein Verlag
Text und Leben sind in den Gedichten Nasima Sophia Razizadehs nicht voneinander trennbar, und doch zieht sich zwischen den beiden eine flüssige Grenze. Die Freiheit, die es ermöglicht, vom einen ins andere zu fliehen, ist eine grenzenlose. In dieser Grenzenlosigkeit mäandern und fließen die Texte, immer wieder mündend in die Sprache selbst – »Die Zunge ist vogelfrei«, wie es in einem der Gedichte heißt. Die Motivik ist sprach-verwurzelter, sprach-durchwobener Natur, folgt sinnlich-stilistischen Chimären und thematischen Luftspiegelungen, legt und verwischt Spuren, die auf Körper verweisen, und reicht von der Pflanzen- und Tierwelt hin bis zur griechischen Antike – verbunden durch den Faden der Arachne, nicht der Ariadne, und immer auf der Suche nach der Freisetzung.
Razizadehs Texte verbinden Kontrastbilder wie Schwere und Leichtigkeit, Licht und Schatten, unmittelbare Erfahrung und abstrakte Gedanken zu dichten Geflechten, die zu einem besonderen Faszinosum aus Natur, Körperlichkeit und dem Poetischen werden.
"Ein Wort klingt auf,
singt die Welt in den Schlaf,
entreißt ihr den Tag,
und läutet ringsum, offenmündig,
die Zeit des wildesten Wachstums ein. "
Sprache und Meer
Matthes & Seitz Berlin | Rohstoff
"Ich beneide die Sprache, wie ich das Meer beneide, und verwechsle sie manchmal miteinander, und beneide sie dann verkehrtherum."
Dem Meer als Grenze des Landes oder als dessen Entgrenzung, als ein Mehr, das Verlust und Gewinn zugleich mit sich bringt, steht man mit Neugierde und Ehrfurcht, mit verspielter Vertrautheit und überwältigender Befremdung gegenüber – und nicht anders der Sprache. Eingetaucht verliert man hier wie dort unter den Füßen den Boden, bewegt sich regelrecht traumhaft, und es gleicht einem Wunder und jähen Erwachen, wenn die Rückkehr ans Festland dennoch gelingt.
Nasima Sophia Razizadehs Texte in Sprache und Meer kommen immer wieder auf die Sprache zurück, kehren immer wieder ans Meer zurück, wagen sich hinein und hinaus, verschreiben sich dem Text- wie Wasserkörper, setzen sich den Gezeiten aus und untertauchen Gattungsgrenzen. Was schließlich auftaucht, sind Erzählungen und Dichtung, Mären und solche Texte, die all das, die Chimären sind. Denn im Schreiben, in der Sprache und im Blick auf die Sprache, zeigt sich, geht es immer um mehr, geht es um einen Überschuss, der über sich hinausweist auf anderes, auf den Anderen und nicht anders als sprachlich eingeholt werden kann.
"Auch die Sprache war bloß Schwimmung."
Die Goldwaage
Gedichte
Wallstein Verlag | 2024
Sprache und Meer
Matthes & Seitz Berlin | Rohstoff | 2023
Verstreutes
Fluch und Gabe / Diospyros
In: Literatur und Kritik | 593/594
Schieferung. Gedichte
In: die horen | 297
Königshof
In: Literatur und Kritik | 599/600
Hinausrichtung. Gedichte
In: die horen | 300
















