Dichtung | Erzählung | Chimären

Wer immer schon im Licht ist,
             kann sich nicht aussetzen.

 

 

Die Goldwaage erscheint im Juli 2024 im Wallstein Verlag.

 

 

Text und Leben sind in den Gedichten Nasima Sophia Razizadehs nicht voneinander trennbar, und doch zieht sich zwischen den beiden eine flüssige Grenze. Die Freiheit, die es ermöglicht, vom einen ins andere zu fliehen, ist eine grenzenlose. In dieser Grenzenlosigkeit mäandern und fließen die Texte, immer wieder mündend in die Sprache selbst – »Die Zunge ist vogelfrei«, wie es in einem der Gedichte heißt. Die Motivik ist sprach-verwurzelter, sprach-durchwobener Natur, folgt sinnlich-stilistischen Chimären und thematischen Luftspiegelungen, legt und verwischt Spuren, die auf Körper verweisen, und reicht von der Pflanzen- und Tierwelt hin bis zur griechischen Antike.

 

Razizadehs Texte verbinden Kontrastbilder wie Schwere und Leichtigkeit, Licht und Schatten, unmittelbare Erfahrung und abstrakte Gedanken zu dichten Geflechten, die zu einem besonderen Faszinosum aus Natur, Körperlichkeit und dem Poetischen werden.

 

 

 

 

 

"Auch die Sprache war bloß Schwimmung."

 

Dem Meer als Grenze des Landes oder als dessen Entgrenzung, als ein Mehr, das Verlust und Gewinn zugleich mit sich bringt, steht man mit Neugierde und Ehrfurcht, mit verspielter Vertrautheit und überwältigender Befremdung gegenüber – und nicht anders der Sprache. Eingetaucht verliert man hier wie dort unter den Füßen den Boden, bewegt sich regelrecht traumhaft, und es gleicht einem Wunder und jähen Erwachen, wenn die Rückkehr ans Festland dennoch gelingt. 

Nasima Sophia Razizadehs Texte in Sprache und Meer kommen immer wieder auf die Sprache zurück, kehren immer wieder ans Meer zurück, wagen sich hinein und hinaus, verschreiben sich dem Text- wie Wasserkörper, setzen sich den Gezeiten aus und untertauchen Gattungsgrenzen. Was schließlich auftaucht, sind Erzählungen und Dichtung, Mären und solche Texte, die all das, die Chimären sind. Denn im Schreiben, in der Sprache und im Blick auf die Sprache, zeigt sich, geht es immer um mehr, geht es um einen Überschuss, der über sich hinausweist auf anderes, auf den Anderen und nicht anders als sprachlich eingeholt werden kann.

 

 

Sprache und Meer ist im Herbst 2023 bei Matthes & Seitz Berlin/ Rohstoff erschienen.

 

 

"[...] Die Worte reihen sich im Horizont eines mit dem Unendlichen abgestimmten - und zugleich mit ihm ringenden - Rhythmus und dabei mit ergreifender Sicherheit so aneinander, dass jede einzelne Silbe (!) "den" treffenden Klang erzeugt. Eine metaphysische Tondichtung, die Sprache, Leiblichkeit und immer wieder überraschende Sinnabgründe miteinander vermittelt. [...]"

 

(Alexander Schnell über Sprache und Meer)

 

 

H.C. Artmann Stipendium 2023 | Writer-in-Residence in Salzburg

 

© Nasima Sophia Razizadeh. Alle Rechte vorbehalten. 

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